Montag, 7. Juni 2010

Oh mein Gott!

Scheiß auf SEO gerechte Überschriften. Dazu fällt mir einfach nichts brauchbares ein: In einem chinesischen Elektronikunternehmen sorgte eine Selbstmordserie für Lohnerhöhungen von siebzig Prozent (70%!) Eine Selbstmordserie in China scheint ja viele Menschen in Europa kaum zu überraschen. Der japanische Harakiri, die Selbsttötung zur Rettung der Ehre, scheint aus dem hiesigen Blickwinkel in ganz Asien alltägliches Phänomen zu sein.

Doch spätestens bei diesen Zahlen muss doch jedem Kapitalisten das Herz bis zum Hals schlagen: Dieses Elektronikunternehmen in China hat es jahrelang geschafft exzellent zu wirtschaften, und zwar so exzellent, dass siebzig Prozent mehr Lohn für jeden Mitarbeiter mal eben beschlossen werden kann. Jeder minus elf, denn mehr waren es nicht, die mit dem Harakiri wirklich ernst gemacht haben. Es sind also immer noch rund 300.000 Chinesen, die nach dieser zweiten Lohnerhöhung nun mehr als das doppelte ihres Gehaltes vor der Selbstmordserie bekommen und nur elf Mitarbeiter, die aufgrund von Leistungsverweigerung/Tod nicht mehr bezahlt werden müssen. Das sind noch Gewerkschaftserfolge, vielleicht sollte Verdi auch mal nach Freiwilligen suchen.

Zu Bedenken bleibt: Die Firma wird ihre Lohnstückkosten nicht ebenfalls verdoppeln wollen, wenn sie international im Geschäft bleiben will. Die Gehaltserhöhung war gerade groß genug, um die negative Publicitiy etwa um fünfizg Prozent aufzufangen. Ein entsprechender Nachfragerückgang wird mit Entlassungen ausgeglichen, die übrigen 150.000 Mitarbeiter werden für ihre 200% Lohn 210% der ursprünglichen Leistung bringen müssen, falls das von Menschen überhaupt geleistet werden kann. Ein Hoch auf den Liberalismus.

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